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Dienstag, Juni 30, 2015

eingestreut (822): konzerte münchen juli


die livepräsenz von bands bzw. künstlern hat an bedeutung gewonnen. dem wollen wir gern rechnung tragen, indem wir immer mal wieder etwas deutlicher hinweise auf entsprechende veranstaltungen geben. das können tourdaten einzelner künstler sein, aber auch wie heute übersichten nur für eine stadt. dass uns münchen dabei am herzen liegt, dürfte auf der hand liegen. gleichsam bemühen wir uns nicht um einen kompletten überblick, sondern picken uns die perlen heraus. wenn Ihr etwas ergänzt haben wollt, gebt bescheid oder nutzt die kommentarfunktion. (und bitte, verlasst Euch nicht auf die angaben hier, sondern lasst sie Euch vom veranstalter vorab bestätigen, danke!)

01.07. titus waldenfels u.a., glockenbachwerkstatt 
01.07. delaney davidson, unter deck  (soundbsp.)
02.07. lost_anthropology, einstein kultur
02.07. henning sieverts blind date, unterfahrt
03.07. wolf mountains u.a., milla
03.07. freitagskafe fest, kafe marat
03.07. bavaschoro, import export
03.07. salsa roja, glockenbachwerkstatt
03.07. ed motta, unterfahrt
04.07. freitagskafe fest, kafe marat
04.07. paul weller, technikum
04.07. the flat earth society, unterfahrt
04.07. palo santo, tollwood
04.07. control bacano, import export
05.07. christopher paul stelling, backstage (soundbsp.)
06.07. bamesreiterschwartzorchestra, unterfahrt
06.07. anthony's garden, tollwood
07.07. james hunnicut u.a., unter deck
07.07. ben miller band, backstage club
07.07. hanse schoierer, tollwood
08.07. john garcia, strom
08.07. puta madre brothers, milla
08.07. miguel zenon, unterfahrt
09.07. tess parks and anton newcombe, strom
09.07. the veras, glockenbachwerkstatt
09.07. roisin murphy, tollwood
09.07. forq, unterfahrt
09.07. cazyapjazz, import export
10.07. der englische garten u.a., import export
10.07. fun for free, 22 jahre muffatwerk, muffatwerk
10.07. carrie nation and the speakeasy u.a., milla
10.07. gloom sleeper u.a., kafe marat
10.07. inpalumbia, hansa 39
10.07. christian mcbride trio, unterfahrt
11.07. vogel-marino-trio, einstein kultur
11.07. mark knopfler, olympiahalle
11.07. holstuonarmusigbigbandclub, volkstheater
11.07. sarah mckenzie, unterfahrt 
12.07. jasper flynn u.a., heppel & ettlich
12.07. somi, unterfahrt
12.07. minor fall, tollwood
13.07. takeifa + jahfandu, glockenbachwerkstatt
13.07. defeater u.a., kranhalle
13.07. hard days night big band, unterfahrt
14.07. criolo, strom
14.07. marco todisco, trachtenvogl
14.07. the cookers, unterfahrt
15.07. gerner zipfeklatscher, glockenbachwerkstatt
15.07. melissa aldana, unterfahrt
15.07. the black dahlia murder u.a., kranhalle
16.07. xavier rudd, theaterfabrik
17.07. jesper munk u.a., muffathalle
17.07. g rag und die landlergschwister, import export
17.07. other lives, strom
17.07. sandro roy quartet, unterfahrt
17.07. freddy gonzales, tollwood
17.07. le fabrique, glockenbachwerkstatt 
18.07. mauricio diaz and latin massacre, import export
18.07. firedance crew u.a., sunny red
19.07. black label society u.a., backstage werk
19.07. nasmyth u.a., sunny red
21.07. bi bala, glockenbachwerkstatt
21.07. marco lobo e convidados, unterfahrt
22.07. mateo navarro and friends, glockenbachwerkstatt
22.07. tony allen band, bayerischer hof
23.07. intergalactic lovers u.a., ampere
23.07. black patti, import export
23.07. banzo, milla
23.07. sepultura u.a., backstage werk
23.07. atatakakatta u.a., unter deck
23.07. nervous, kafe kult
24.07. marvpaul / zoo escape u.a., hansa 39
24.07. glockenbach blues festival, glockenbachwerkstatt 
25.07. flowerrecords, labelnacht, milla
25.07. the musical ambassadors, import export
25.07. stephanie lottermoser, unterfahrt (soundbsp.)
25.07. the marble man u.a., backstage halle
25.07. mouse on mars, rote sonne
27.07. david schoch, heppel & ettlich
28.07. viola, lilli & emma, glockenbachwerkstatt
28.07. anti-corpos, kafe kult
28.07. guido may, unterfahrt
29.07. f.s.k., rote sonne
30.07. chico trujillo, ampere
30.07. the builders and the butchers, milla (soundbsp.)
30.07. the king of cons, glockenbachwerkstatt 
30.07. die kraft der sechs herzen, import export
31.07. damien rice, freiheiz
31.07. eksotik meksotik - mit musikern aus marokko, import export
31.07. schlachthofbronx u.a., rote sonne

Montag, Juni 29, 2015

eingestreut (821): tijuana panthers


"front window down" is being a young backseat passenger. no control of the cold air, the smoke or the night's direction. yet, happy to be out of the house and on your own.", berichten tijuana panthers über ihre aktuelle single, die das neue album "poster" einläutet, welches am 28. august via innovatove leisure erscheinen wird. im juli bereits geht der dreier aus long beach auch auf europatour, touchiert dabei aber nicht einmal hiesige landstriche. angesichts ihrer positiven aufgeregtheit eigentlich sehr schade.



Sonntag, Juni 28, 2015

neue töne (1549):chuck johnson


verfolgen wir ein wenig chuck johnson, dem nachgesagt wird, dass er einen spürbaren einfluss auf die zeitgenössische gitarrenwelt hat. zwei soloalben gingen dem neuling voraus, die sich verschiedentlich gerierten und durchaus von der nähe zur moderne zeugten. der spieler verzichtete zwar nicht auf die weithin übliche verneigung vor der tradition, doch ließ er seine individualität nicht in die knie zwingen. "blood moon boulder" heißt johnsons drittes soloalbum, es erreiche, heißt es, einen kompositorischen höhepunkt, es gelänge ihm, dem malerischen naturalismus der amerikanischen landschaft nachzuspüren. einem soundtrack gleich wird dem aufmerksamen hörer eine welt zuteil, die sich durch detailreichtum und präzision auszeichnet. erinnerungen an ry cooders "paris, texas" aufnahmen werden wach, insbesonderen hinsichtlich des openers "corvid tactics". aber es gibt auch singuläre momente, da sich johnson in ein spielerisches duell mit einem phantomartigen chinesischen radiosignal begibt. fast schon geisterhafte momente, die ans ohr drängen, wenn sich johnson über seine gitarre beugt. ob melancholisch oder meditativ, die verzauberung gelingt. besonders wenn sie so minimalstisch geprägt ist wie hier. elektronika färben ein, sorgen für ein warmes soundplaid. "the tunes on the new lp have the inevitable influence of the geography of northern california. but at the same time, you can take the boy out of the south...", sagt der musiker aus oakland. der nachfolgende track wurde von date palms marielle jakobsons in bewegte bilder versetzt. das album erscheint am 29. juni auf scissor tail editions.


johnson hat mit idyll swords auf communion und thee lobed veröffentlicht, mit shark quest auf merge, mit pykrete u.a. auf phaserprone, mit ivanovich u.a. auf amish, hat mit spatula, gloatdragon oder the stray sod musiziert. daneben entstanden etliche filmusiken, seit 1999 auch solowerke, die sich auf tompkins square, strange attractors audio house, amish records und three lobed recordings finden lassen.



Samstag, Juni 27, 2015

neue töne (1548): zebra hunt


mal zunächst ein kurzer hinweis auf die einflüsse der band, die sie so beiläufig bei facebook erwähnt: feelies, the clean, thee oh sees, woollen kits, vu, uv race tauchen da auf. doch zebra hunt stammen aus seattle und begegnen dem unbill des musikbiz zu dritt. vorzustellen sind der drummer mitch leffler, der bassist erik bennett und sänger und gitarrist robert mercer. seit ca. 2012 schaffen sie zusammen und suchen die perfekte formel aus kargem pop, wenig beiläufigem aus flying nun beweisen und den frühen go-betweens. wer es nicht glaubt, man kann es anderenorts genau so immer wieder vernehmen. nun schreiben wir ja nicht ab, sondern bilden uns regelmäßig selbst eine meinung. das fällt nicht schwer, erst recht nicht, wenn man ein paar tonale beispiele beackern kann. die erste ep war "beaches", erschien 2013 auf manic pop. kurze zeit später kam die single "only wy out"/"get along" auf tenorio cotobade heraus. das selbe label zeichnete denn auch für den release von "city sighs", dem debüt des dreiers, verantwortlich. der zwölftracker erschien anfang 2015. auf ihm finden sich nun neben zwei songs von der ersten ep, die mittlerweile kaum mehr zu haben sein wird, allesamt neue, unveröffentlichte lieder.

die feinsinnige melodieführung, herbeigesehnt von einer dengelfreundlichen gitarre, das engagierte wie impulsive drumming, der freundliche wie wenig kontroverse gesangsstil, das alles bildet zebra hunt ab. nun hat der tonträger bereits einige monate auf dem buckel, aber es ist stets zeitig genug, um sich einer neuen lieblingsband zu verschreiben. erst recht, wenn die frische dieser jungs das grün der bäume austreiben lässt.

Freitag, Juni 26, 2015

glotzt nicht so romantisch (630): circuit des yeux


photo by nina hartmann

in nummer 621 der glubschparade hatten wir bereits auf einen bebilderten track des aktuellen albums von circuit des yeux hingewiesen. es handelte sich um "do the dishes" vom album "in plain speech", das jüngst (18. mai) auf thrill jockey veröffentlicht wurde. nun steht mit "fantasize the scene" der nächste song auf dem plan. zum video heißt es: "directed, filmed, and edited by julia dratel, production assistant: allie dudley, starring: whitney johnson and haley fohr". bei letzterer handelt es sich bekanntlich um die protagonistin in bezug auf die musikalie selbst, die Ihr hoffentlich nicht bei der jüngst endenden tour verpasst habt?!
nachfolgend die tracklist und natürlich das video zu "fantasize the scene".

tracklist: 
01. KT 1
02. Do The Dishes
03. Ride Blind
04. Dream Of TV
05. Guitar Knife
06. Fantasize The Scene
07. A Story Of This World
08. KT 5
09. In The Late Afternoon

Donnerstag, Juni 25, 2015

eingestreut (820): phil cook


es gibt so namen in der aktuellen musikszene, die machen nicht nur staunen, also die leutchen dahinter, nee, die bringen mich geradezu in wallung. denn sie fabrizieren oft vielfach, aber vor allem stets qualitativ hochwertiges. phil cook ist so einer. mancher wird ihn vor allem im zusammenhang mit megafaun kennen, andere aber von his golden messenger oder aus einer seiner diversen kollabos oder mithilfen, beispielgebend seien gayngs oder deyarmond edison genannt. dass er sich nicht nur großartig als sideman verdingen kann, weiß man, will er aber nun auch beweisen. er trägt sein erstes soloalbum an, "southland mission" soll es heißen und in diesem herbst erscheinen. dass ihn all seine freunde bei so einer unternehmung nicht allein im regen stehen lassen würden, versteht sich von selbst. also trugen sie ihre hilfe nicht nur an, sondern griffen praktisch unter die arme, dereinst im studio. man spricht von der nordkalifornischen szene und denkt sich bon iver und justin vernon und volcano choir und his golden messenger und und und. mit "great tide" dürfen wir einen ersten, großartigen stampfer veröffentlichen, tut Euch gütlich daran.

12.10. E-Werk, Köln
13.10. Huxley's, Berlin

Mittwoch, Juni 24, 2015

eingestreut (819): phaedra


2011 erschien ihr debütalbum namens "the sea", heuer (12. juni) ist es nun für den zweitling so weit. "blackwinged night" heißt es und wird via rune grammofon unters volk gebracht. die rede ist von der norwegischen formation phaedra, deren mitglieder sich wie folgt benennen: zuvorderst wäre da ingvild langgard (vocals), daneben sind gunhild mathea olaussen (violin), jørn tore egseth (synths) und ane marthe holen (drums, mallets, percussion) aktiv. während das von der kritik goutierte debütwerk noch leichtfüssig daherkam, lebt der neuling von einer zwingenden schwere, der lediglich der helle gesang etwas entgegen zu setzen weiß. elegisch, melodramatisch gar frisst sich der ätherische folk durchs gebälk. synthiewolken versperren die sicht, ein diffiziles drumming formiert und streicher und marimba und ähnliches akustisches gewerk garnieren. fallende sterne und das erstehen und kollabieren von system finden in den lyrics ihren platz. die band hat selbst komponiert und den mix bzw. das mastering christian engfelt und greg calbi überlassen.

Dienstag, Juni 23, 2015

ein (p)fund mp3 (503), teil 2

am 09. juni  ist auf häxrummet records die single "slower now" erschienen, der dahinter steckende vierer aus schweden präsentiert in ähnlich wohlfeiler form auch die b-seite, darauf befindlich "wherever you", bitte anhören: star horse:


die lambchop mitglieder kurt wagner, ryan norris und scott martin beim austoben, aus der deckung heraus bringen sie spannende töne an den mann, sowie ein neues album namens "the diet", welches am 18. september via city slang erscheinen wird, eine erste vorlage: hecta:


zunächst gab es 2013 eine erste ep, dann wechselte die besetzung ein wenig durch und schließlich schaffte man es nun unter neuen vorzeichen zu einer zwölf track sammlung: "mountains speak", die alles vereint, was in der rootsgemeinde, hier zu seattle, rang und namen hat:
blackheart honeymoon - bodies

capture music inc. zeichnet für den release vom 14. august verantwortlich, erscheinen wird dann "heirloom", das neueste werk des aus birmingham, al, stammenden songschmieds, "origins" ist ein erster ausschnitt daraus:
jesse payne - origins

er versteht "avalanche" nicht einfach als eine ep zwischen zwei longplayern, sondern eher als eine art mini-album, er schrieb die sechs songs kurz nach "someday, the moon will be gold", das releasedatum findet sich mitte august: kalle mattson:


"the early days" ist die erste single aus dem am 24. juli auf true north records erscheinenden des in nova scotia beheimateten, schwer verehrten singer / songwriters und seiner anbetungswürdigen mixtur aus folk, bluegrass und country: old man luedecke:

ein (p)fund mp3 (503)

wir verfolgen diese karriere geraume weile und fühlen uns bei jedem neuen track angesprochen, diesmal produzierten die schweden eine nummer für eine vinyl compilation des heimischen festivals psykjunta, das vor allem bands mit psychhintergrund eine plattform gibt: mackaper:


sie, also der australische songwriter carl coleman und der dänische produzent caspar hesselager, haben sich fast ohne eigenes zutun bereits eine kleine fanbase erobert, obwohl ihre erste ep erst im herbst via tambourhinoceros erscheinen wird: palace winter:


dieser kalifornische shoegaze-new wave-vierer veröffentlicht mit "matter of choice" sein neues album, parallel dazu wird im august auch eine 7" auf dem berliner label aufnahme + wiedergabe erscheinen, den titeltrack halten wir bereit: cold showers:


im märz hatten wir bereits einmal auf den release "moonlust" (sacred bones) der chilenischen psychband hingewiesen, nun erneuern wir dies mittels eines neuen tracks, sowie mit dem hinterlassen einiger tourdaten (04.07. wurzburg @ xyeahx summer fest, 11.07. berlin @ tba, 12.07. leipzig @pilotenküche): the holydrug couple:


die in austin beheimatete truppe hat gleich mal ein ganzes album ("lonesome son", 07. august) über die eigene stadt geschrieben, von song eins bis zu songs zehn ist das werk durch das leben in eben jener inspiriert, "port city" ist über die zeit, die man in gedanken verloren verbringt, wenn man lange strecken überwindet: i am the albatross:


ryp recordings zeichnet für diesen release mitverantwortlich, die debüt ep "look forward" des sich dem psych r&b verschriebenen vierers aus london erscheint ende juni, vorab gibt es mit dem titeltrack auf die ohren: venice trip:


c+c=maxigross
29/07/15 Rosenheim (DE) - Hole Club (presented by Bebop Schallplatten)
30/07/15 Berlin (DE) - ACUD (event on Facebook)
31/07/15 Plzeň (CZ) - Pilsen Busking Fest Warm-Up
01/08/15 Chemnitz (DE) - Küchwaldrauschen
02/08/15 Offenbach (DE) - Hafen 2

Montag, Juni 22, 2015

neue töne (1547): panoram


wenigstens die musik ist da. diese traumhaft schöne musik, die sich über grenzen hinweg setzt. die mißachtet, dass es eine formbare welt hinter dem produkt geben muss. aus komponisten und des komponisten leben und dazu all seine gedanken und seine inspirationen und die befördernden momente und seine geburt und seine kindheit. gibt es in diesem fall nicht. all das recherchieren hat sich nicht bezahlt gemacht. lediglich ein blasses bild von panoram ließ sich über seinen twitter account ergattern und nun wissen wir nicht einmal, ob auch abgebildet ist, was wir abgebildet meinen. der kerl stammt aus rom (vatikanstadt) und brachte vor einiger zeit sein debütalbum "everyone is a door heraus". es erschien auf firecracker, dem schottischen label. nun steht der nachfolger in den regalen, diesmal auf eigenem label veröffentlicht, via wandering eye. tut der sache keinen abbruch, denn immerhin hat es zu einer vinylausgabe gereicht. es heißt, es sind nur noch eine handvoll scheibchen vorhanden...

panorams musik ist zuvorderst elektronisch, d.h. hier wird zuweilen das große besteck ausgepackt. synthiesounds ala jean-michel jarre, dass es nur so rauscht und um die ecke fegt, spacig wird es, kosmische verdreher inklusive, ein fleißiges wabern und weben. doch die diverse und hochkarätige ausstattung jedes einzelnen tracks macht den konsum zu einem steten abenteuer, thinkman erinnere ich da. und je öfter man "background story" hört, umso imposanter wird das wahrgenommene. die staffage ist keine um ihrer selbst willen, es lassen sich stets nur die elemente abbilden, die es genau für diesen moment benötigt. sanfte, mit leichtem blechern belegte klangwolken, flipperautomaten glückseligkeiten, strittige pattern, eine melodie, die sich aus pulsierendem kristallisiert. gitarren wettern, die synthesizer gerieren sich in brisanz. der titeltrack dagegen kommt an der hand einer bleichen pianolinie, welche sich klassischen mustern hingibt. "dead plastic" erhebt sich auf komplexen schwingen und bildet in seiner ganzen künstlichen art natürliches, etwas lebendiges ab. je tiefer man abtaucht, umso gelöster weiß man sich und umso stärker werden die sensoren belastet. das album ergibt sich als ganzes, man erfährt wie sich frühe symptome mit später erfahrenen zu einer diagnose ergänzen.

auch wenn man nur sehr wenig über panoram und den menschen dahinter in erfahrung bringen konnte, weiß man nach dem genuss von "background story" wesentlich mehr, wenn nicht sogar das wichtigste.

Sonntag, Juni 21, 2015

neue töne (1546): aidan baker


am 06. april erschien aidan bakers neues doppelalbum "half lives". mit "you are a creature of darkness" spielte er einen appetithappen aus diesem werk erstmals an. die doppel-cd-variante wurde via gizeh records herausgegeben. "half lives" ist der nachfolger des 2013er "already drowning", bei dem baker auf vokale gasteinsätze von zum beispiel carla bozulich oder jessica bailiff setzte, und bietet zwei unterschiedliche seiten des kanadischen künstlers, zwei unterschiedliche herangehensweisen auf. zugleich aber sollen beide miteinander korrespondieren und sich in gewisser weise bedingen. hier die etwas abstraktere, experimentelle welt, dort die mehr songorientierte note. die aufnahmen entstanden im august des vergangenen jahres in berlin und sind vor allem das produkt ausgiebiger improvisationen, welche hernach entsprechend neu an- bzw. zugeordnet wurden. baker spricht hier eher von konstruktion denn von komposition. mit "mountains sweat clouds" sind die ersten zehn tracks überschrieben. sie sprechen eine ganz eigene bildsprache aus eigenwilligen, wie bedeutungsschwangeren klangexzessen, die sich ambienten mustern genauso ergeben wie cinematoskopischen elegien. soundfahrten, die sich wie von selbst zu ergeben scheinen, als würde natur in bewegung geraten und sich entwickeln, wie sie sich eben entwickeln muss. kein für, kein wider, eine klarheit, der man sich fügt. die darstellenden partikel sind oft gitarreske helltöner nebst aufbauscher aus perkussivem und field recordings.
"as i walked on dead earth" bietet klangwürfel auf, in denen sich ambiente texturen abbilden lassen, die man wie durch eine transparente schicht hindurch sehen kann. manchmal fühlt sich die musik geradezu körperlich fassbar an, glibberig, manchmal in festerer konsistenz erlebbar. die bilder, die phantasien differieren, je öfter man sich den verstauchten tönen hingibt.

aidan baker, der schon seit längerem berlin zu seiner wahlheimat ernannt hat, tourte jüngst mit seiner formation aidan baker trio, zu dem felipe salazar (caudal, hypnodrone ensemble) an den drums und simon goff (and the wiremen, bee and flower) an violine und bass gehören. gemeinsam stellten sie das aktuelle material vor, nämlich die in kollaboration mit idklang entworfene lp "in the red room", auf karlrecords erschienen. daneben aber wurde auch "half lives" und "the confessional tapes" material vorgestellt.

Samstag, Juni 20, 2015

neue töne (1545): fruits de mer records


fruits de mer records ist bekannt für einige enorme releases. mit einem ihrer letzten schiessen sie allerdings den vogel ab. auf einer 4 lps umfassenden sammlung vereinigen sie ein paar der schärfsten tracks der sechziger und siebziger in einer jeweils seitenlangen coverversion. so haben sie acht bands gefragt, ob sie ihnen etwaiges produzieren können, und zwar solche songs, die ihnen persönlich wichtig sind oder waren oder sie zudiesem oder jenem inspiriert haben. das kompendium nennt sich "side effects", die einzelnen seiten sind zudem überschrieben, doch um nicht noch weiter auszuholen, findet Ihr nachfolgend die tracklist und tonale beispiele. beachtenswert sind die fruits de mer lieblingsbands sendelica und the luck of eden hall, darüber hinaus natürlich die beteiligung von bevis frond sowie die noch neuen truppen wie the soft bombs oder wreaths aus den staaten und arcada messiah aus dem uk. musikalisch ist die landschaft jener zeit einzigartig gewesen, sie wird entsprechend widergespiegelt, von psychedelic über progressiv zu krautrock.


SIDETRACKS
The Soft Bombs - Echoes (Pink Floyd)
Arcade Messiah - Four Horsemen (Aphrodite's Child)

SIDEWAYS
The Bevis Frond - China (Electric Sandwich)
Wreaths - Sundown (Gordon Lightfoot)

SIDESHOWS
Superfjord - CTA-102 (The Byrds)
The Luck Of Eden Hall - Starship Trooper (Yes)

SIDESTEPS
Julie's Haircut - Shhh/Peaceful (Miles Davis)
Sendelica - I Feel Love (Donna Summer)

Freitag, Juni 19, 2015

neue töne (1544): the hands of the wrong people


im august 2011 schrieben wir angesichts des damals aktuellen albums "proportions" über the hands of the wrong people: "der erste eindruck gibt dringlich den hinweis auf das organische werkeln vor. eine fleischige substanz, die aus den boxen quillt. griffig, als könnte man sie packen und selbst noch etwas zurecht formen. brauchts aber nicht, denn das, was die band um den songwriter dominic hislop kreiert, ist ganz und gar rund und zauberhaft. das stiffelige drumming, beherrscht und doch allgegenwärtig, die flockigen gitarrenakkorde, gern ergänzt um ein paar helltöner, der saftige bass, der sich auf der suche nach einer solonummer nur ungern zurücknimmt und der mich immer wieder an the beautiful south erinnernde gesang. die melodien sind keine angelehnten, sie sind präsent und für die straßenmitte bestimmt. ausweichen? unmöglich." und führten weiter aus: "genremäßig tue ich mich schwer, mathpop trifft auf chamberfolk vielleicht. eine vertrackte note hat die ganze unternehmung, aber lediglich weil man sich im treiben lassen auch für die dinge am wegesrand interessiert."

die in berlin beheimatete und aus unterschiedlichen ländern europas stammende truppe beweist konstanz und setzt sich nach wie vor zusammen aus: pius fox (bass), dominic hislop (guitar/vocals) und jo wetzels (drums). sie hatte bislang zwei eps "three quarters" (2002) und "sunny spells" (2005) sowie zwei full lengths "spring flakes" (2008) und besagtes "proportions" (2011) zustande gebracht und schickt sich nun an einen elftracker namens "perspecitve correction" an den start zu bringen. er wird am 13. juli erscheinen.

"sauntering" ist ein formidabler einstieg in das neue werk. die programmatische ausrichtung ist unberechenbarkeit, das instrumentelle gewerk ineinander verschlungen, ohne sich gegenseitig die luft zum atmen zu nehmen. es bettet sich gesang, das melodieselige im moment fest vertäut. man meint, dass die zeit stehen geblieben wäre, jahrzehnte zurück erinnerte man eine ähnliche formensprache. aber die positive benotung fällt nach wie vor leicht. denn die songs sind stabil und halten auch mehreren anläufen stand. die messer sind gewetzt, die schnitte führen ohne größeren aufwand ans ziel. manchmal wünschte man sich wohl einen ausbruch aus den allzu braven mustern. aber die konzeption ist stringent. fast schon perfekt.

Donnerstag, Juni 18, 2015

neue töne (1543): therese aune


photo by åse holte

"die große karriere ist ihr bereits seit längerem vorausgesagt. doch der durchbruch muss noch etwas warten. brüche sind eh ein gutes stichwort bei therese aune aus norwegen. die aus oslo stammende junge musikerin hat ein griffiges organ, es ist variabel und kann stimmungen zeugen, sie benutzt es wie andere auf instrumenten agieren. dabei ziert sie sich nicht vor dem überbordendem, vor dem kratzigen ausstoss, vor dem kippen, gibt jeglichen gefühlen nach und sucht beständig nach dem passenden ausdruck. am piano, das sie früh erlernte, gelingen ihr die weniger waghalsigen figuren, die für stabilität sorgen. wenn man hanna hukkelberg und regina spektor vereinte, käme man unweigerlich auf therese aune, die aktuell an ihrem debut full length arbeitet. im herbst kann man vorsichtig damit rechnen. ich habe mich sofort in ihre modulationsreiche vortragsart verliebt, die gründe ihrer stimme sind schattenreich und trauerlastig, die höhen gelingen ihr erwachsen und ausdauernd. in deutschland spielte sie bereits auf, trat dabei mit einem kleinen bandaufgebot an und blieb nachhaltig in erinnerung.", schrieben wir im juli 2011.

mittlerweile ist natürlich auch das debüt ins land gegangen, "billowing shadows, flickering light" erschien 2012 in aunes heimat norwegen via riot factory und kam wenig später, nämlich 2013, über red eye transit auch in den staaten heraus. die nun bereits vergangenen zwei jahre nutzte therese aune (piano, synth, harmonium) unter anderem, um gemeinsam mit marcus forsgren (lionheart brothers, jaga jazzist) an synthesizer und gitarre sowie marte eberson (synth) und are rosseland (drums) eine ep aufzunehmen. vor allem der sommer letzten jahres musste für die überwiegend elektronisch forcierten kompositionen herhalten.

therese stammt aus dem östlichen teil oslos, und ich weiß nicht, ob das eine bedeutung hat, aber es klingt irgendwie besonders, und sie besuchte einen hort nach der schule. dort befand sich ein piano, auf dem die junge norwegerin immer wieder herumklimperte. mit zwei fingern eroberte sie sich diese klangwelt und beackerte hernach ihre eltern, ihr ein solches gerät ins haus zu stellen. es soll drei jahre gedauert haben, bis die eltern nachgaben. schließlich wurde der kauf des instruments um unterricht ergänzt.

mit "hedina" ist die singleauskopplung ihrer vier tracks umfassenden ep überschrieben. zunächst war es nur eine art kunstwort, denn therese hatte sich angewöhnt, beim songschreiben auf eine art englischen kauderwelsch zurückzugreifen, bevor sie die eigentlichen texte schreibt. dann wurde ihr aber klar, dass "hedina" nicht nur als name herhält, sondern zugleich die bezeichnung für ein mottenart ist. somit passte der songtitel ganz hervorragend zu dem der ep "cocoon".. ähnliche wege ging aune auch in sachen musik. hier hat sie vor allem von der begegnung mit neuen musikern, aber auch von ihrer neigung zu ungewöhnlichen klängen, ihrer neuen leidenschaft für synthesizer profitiert. doch hört selbst.

Mittwoch, Juni 17, 2015

eingestreut (818): the wooden sky (tour)


the wooden sky gelten nicht umsonst als hervorragende liveband. ihren vielschichtigen sound, angereichert mit diesen unstrittigen gitarren, denen die akustische komponente genauso steht wie der harte drall der elektrischen, dazu eine knödelnd emotionale stimme, das ganze versehen mit ordentlich bumms, bekommen sie wie kaum eine andere band auf die bühne. da ist mehr als ankündigung, mehr als andeutung, mehr als bloße propaganda. mit ihrem neuen album "let's be ready" (19. juni, nevado records) gelingt den kanadiern wiederum auch gegenteiliges. denn die schiere energie einer bühnenshow scheint sich auch auf tonträger übertragen zu lassen. der freie klang, der sich durch die neuen nummern zieht, wabert, man benötigt nur wenig phantasie, durch die schwitzigen hallen eines clubs und wird zurückgeworfen von vor schweiß triefenden wänden. vielleicht ein gutes bild für eine situation, die gavin gardiner in etwa so beschreibt: nach den unzähligen tourwochen wähnte man sich fast am ende einer reise. die entscheidung, ob man überhaupt weitermachen wolle oder gar das projekt zu den akten legen solle, drängte sich auf. ein moment, der mit "let's be ready" gut überschrieben ist, einem album, aus dem man nicht nur energie zog, sondern diese auch übertragbar machte. für den hörer.

neben gardiner (gitarre und gesang) kommen andrew kekewich (drums) und simon walker zum einsatz, ergänzt um edwin huizinga an der violine und andrew wyatt am bass. das vierte album entstand in gardiners umgebauter garage im westen torontos.

wir werden zeitnah tickets für die tour verlosen, geplant sind pro station je 1x2 karten. also, bleibt wachsam, wir spekulieren mit einer entsprechenden ankündigung ca. anfang november. wir sehen uns.

die tourtermine:
20.11.15 - köln, blue shell
22.11.15 - hamburg, prinzenbar
23.11.15 - berlin, privatclub
24.11.15 - leipzig, täubchenthal (kleiner raum)
25.11.15 - dresden, beatpol (special show)

Dienstag, Juni 16, 2015

eingestreut (817): dragon rapide


das ist hier ein totaler blindflug, weil mir jegliche informationen fehlen. bei dragon rapide handelt es sich (wohl) um eine junge französische kapelle aus clermont ferrand. sie hat bislang nur ein paar demos vorlegen können, aber die gefallen mir ausgesprochen gut, so dass sie eingang finden in unsere rubrik "eingestreut". mehr ist es dann auch nicht. ein paar eingestreute nummern, dabei aber luftig und rein, ohne scheu und doppelten boden. der pop leuchtet unter den breitwand bereiten melodien, der rock kracht in die vorbereitete lücke. das songwriting ist wahrlich ausgewogen und anregend. wir behelfen uns mit den letzten zwei tracks, die via bandcamp page, die einzige möglichkeit dieser truppe habhaft zu werden, angeboten wurden. darüber hinaus finden sich dort noch einige weitere pretiosen, die allesamt mit dem veröffentlichungshinweis mai 2015 überschrieben sind. ich erwarte hier demnächst mehr. eine überdurchschnittliche recherche nach dragon rapide ergab nicht nur, dass es mal in den neunzigern eine kapelle gleichen namens gab, sondern auch, dass wir es hier vielleicht mit einem gewissen sylvain, mit pog von kissinmas und jimmy von der band bruxelles zu tun haben. am ende bleibt es musik, und die solltet Ihr geniessen!

Montag, Juni 15, 2015

neue töne (1542): wild yaks


fleet foxes in weniger elegisch, dafür mit etwas mehr theatralik und blender- hooklines, dazu eine rockoffensive, so oder vielleicht ganz anders könnte man wild yaks vorstellen. der dreier stammt aus brooklyn und wird aus der musikhauptstadt nicht mehr wegzudenken sein. denn wer wild yaks live erlebt hatte, wird sie lieben, nicht mehr vergessen, wieder sehen wollen. so heißt es. spannende berichte inklusive. man spricht von schamanismus, spiritualität, einem kultischen versprechen. gehts noch? und das alles nur mit erfrischender energie, die von einem melodiebesessenen bass und einem freude fabrizierenden schlagzeug angetrieben wird? mit einem sänger, der sich seiner rostigen stimme bedient, als wäre er der queen vorstand. herrlich! namentlich bedeutet das, dass rob bryn jodelt und fabuliert und sich in seinem hintergrund martin cartagena und jose aybar gütlich tun. 

mit "rejoice! god loves wild yaks" stellt die band ihren aktuellen release selbstbewusst vor. das acht track wunder wurde anfang juni via ernest jenning records aus der taufe gehoben, dem label, auf welchem bereits die vorgängerwerke "million years" (2012) und "10 ships (don't die yet)" (2009) herausgebracht wurden. das album ist so bunt, so randvoll mit spielfreude, enthusiasmus und energie, dass man sich anfangs immer wieder fragte, wie dieses knallige bündel kanalisiert werden konnte. mit einer bläsersektion, mit streichern, flöte und saxophon legt man auf den hörer an. doch die gesamtheit kulminiert schlicht in songs, die von kevin s. mcmahon in den marata studios kontrolliert auf band gebracht wurden. hört nur das berauschende "wise one"! die musikalie ist griffig und voller volumen, dabei setzt sie deutliche akzente in sachen instrumentierung. so reich und doch erlebbar. kein erschlagen, kein überrumpeln. selbst wenn es balladesk wird, wird es noch lange nicht lau. es bleibt charmant, anrührend, inspirierend. rby bryn hat in der vergangenheit einiges probiert. ob in solo oder in verschiedenen bandoutfits. zuletzt erst wurde ein gitarrist ziehen gelassen. dass der vorstand am ende stets obsiegt oder recht behält, beweisen sie seine lieder. oder nicht?

Sonntag, Juni 14, 2015

glotzt nicht so romantisch (629): grace vonderkuhn


anfang des jahres erschien ihre selbstbetitelte ep, enthalten ist auch "nowhere to go", für welches dieser tage alles andere als zweckneutral ein video zustande gebracht wurde. das klingt etwas despektierlich. soll es nicht. denn das schlichte filmchen passt perfekt auf die engagierte poprocknummer, die uns grace vonderkuhn da präsentiert. unaufgeregt arrangiert mit hölzernem schlagwerk, schlauer gitarrenfindung und mit grace wunderbarer angekratzten stimme. und wenn sie in den refrain schlittert, gibt es in diesem moment nichts schöneres. für den laufenden sonntag könnt Ihr Euch ja mal weiter nichts vornehmen, sondern schaut mal, was Ihr über die junge dame aus delaware noch so herausbekommt. unser erster post über sie stammt aus dem oktober letzten jahres und behielt sich gedanken über einen ersten solotonträger bereits vor, nachdem sie ja bereits in bands wie kind of creatures oder new dakota mitwirkte... viel spaß!



glotzt nicht so romantisch (628): myriam gendron


photo by farid kassouf

es war wahrlich eines der schönsten alben des vergangenen jahres, myriam gendrons "not so deep as a well", die musikalische umsetzung von dorothy parker poemen mittels gitarre und gesang.mit "solace" wurde nun noch einmal einer der herausragenden tracks in szene gesetzt. gendron schreibt selbst dazu: "the music video for "solace" was created by two montreal-based artists, anick beaulieu and gigi perron. gigi mostly draws and paints, and anick makes short films when she's not working at her fishing camp in temiscaming (western quebec). they make a great team: gigi has a thousand ideas per minute, and anick is very meticulous and has a great sense of rhythm. "solace" is their third project together. they used the stop-motion technique for this video. it contains, more or less, 3,600 photos. it was made on three superimposed window panes with black sesame seeds and collages of old prints."
vom vinyl des album ist mittlerweile die dritte auflage am start. stark.



Samstag, Juni 13, 2015

neue töne (1541): the ethical debating society


am 22. juni gibt es via odd box records  wieder neue klänge zu verzeichnen. diesmal verantwortlich zeichnend das trio the ethical debating society. mit "new sense" legt die band aus london einen feinen vinylrelease vor, der in knalliges rot getaucht wurde. die edition ist auf 250 stück begrenzt. die zwei mädels nebst ihres männlichen sidekicks verschreiben sich dem diy punk uind suchen sich eine nische, die gern etwas lofi klingen darf, aber auch postpunkig und natürlich, angesichts der überzeugenden mehrheit an weiblichem geschlecht, auch mit einer note riot grrrl versehen wird. ob dass am ende riot pop betitelt werden kann, entscheidet ganz easy der hörer selbst. auf jedenfall ist das kerbholz des dreiers ganz gut bearbeitet, man spielte bereits mit bis, shrag, tunabunny oder bastards of fate und vielen anderen mehr. mit skinny girl diet hat man über happy happy birthday to me records 2013 eine split ep herausgebracht, die gleich an die große glocke gehängt wurde. auf tuff enuff folgte im letzten jahr eine weitere ep, sie heißt "hens teeth". "new sense" ist nun also das debüt, mit 14 tracks bestückt. da paßt das eine zum anderen, macht sinn und für die macher gibt es stolz obenauf.
die aufnahmen entstanden in homertons sound savers studio und sie wurden live, direkt und in aller rauheit aufgenommen. maximum rocknroll schreibt: "shouty aggro punk, rad male/female guitar interplay, exuberant and savage sounds from the uk with an urgent attack. this is gonna be your new soundtrack." und hackney citizen meint: "think sleater-kinney headbutting the dead kennedys." 
die preorder läuft und wer gerade in der britischen hauptstadt weilt, kann am 21. juni die releaseparty im power lunches mitmachen. mit "future imperfect" können wir einen track herausposaunen, um Euch neugierig zu machen. den rest des kreischenden monsters dann ende juni. seid bereit!

Freitag, Juni 12, 2015

glotzt nicht so romantisch (627): desaparecidos


am 22. juni ist es so weit, dass desaparecidos tatsächlich ein neues album herausbringen werden. hat sich rumgesprochen, ist aber eher wie so eine botschaft an den hinterhofwänden weitergereicht worden. "payola" heißt das werk und wird via epitaph unters volk gebracht. die letzte verwertbare meldung stammte zuvor aus dem jahr 2002, als irgendwie alles im umbruch war, hieß "read music / speak spanisch", war auf saddle creek records erschienen und brachte einige gesichter zum lachen. kam aber über einen geheimtipp mit heldenstatus nicht hinaus. dass es die truppe seit dem eigentlich immer noch gab, kann man belächeln, aber he, so etwas gehört schließlich auch offiziell beendet. wurde es nicht. also setzen conor obers (vocals, guitar), denver dalley (guitar), ian mcelroy (keyboards), landon hedges (bass, vocals) und matt baum (drums) nun nach, nachdem man zwischendurch jeweils eigene wege verfolgte. die kurzen gemeinsamen erinnerungen beschränken sich auf einen benefitauftritt 2010, eine minitour im sommer 2012 und einige singleeinspielungen.

"payola" bietet den gewohnten mix aus punkinfiziertem und powerpop auf und hält sich natürlich in sachen politik und frustration nicht zurück. das album stellt neben sechs bereits veröffentlichten songs acht weitere zur verfügung, die als gänzlich neu zu betrachten sind, wenngleich sich die aufnahmen über einige jahre hinzogen. wer allerdings nach dreizehn jahren erhofft hat, dass hier indiemusik neu erfunden wird, sollte sich wieder das kissen über die ohren ziehen, nachdem er das rollo heruntergelassen hat. hat man sich von romantisierungen befreit und erlaubt sich einen unverstellten eindruck, dann kann man sich an einigen sehr druckvollen nummern erfreuen, die dank spielfreude, enthusiasmus und eingängiger lyrics überzeugen. und schließlich ist da ja noch conors feinster knödelgesang. das ganze demnächst auch auf tour, vorerst aber nur im streng beurteilten amerika.




Donnerstag, Juni 11, 2015

neue töne (1540): kinski


jaja, bloggen ist tot. wer es betreibt, um sich anzudienen, wird wahrlich auf die schnauze fallen. martialische wortwahl am frühen sonntagmorgen. liegt vermutlich an der scheibe, die gerade auf dem plattenteller ihre runden zieht. kinski mit "7 (or 8)". die rauschegitarren, im fuzz verknäuelt, das knüppeldicke schlagwerk, der hub schwer und konsequent. melodisches bejubeln zwischendurch, um sich alsbald wieder aufs tagwerk zu versteifen. ok, bloggen ist hin. nicht grundsätzlich, aber vermutlich das musikblogging schon. doch kein argument, um müßiggang zu betreiben. "i fell like a fucking flower". nicht nur attraktive songtitel gelingen dem vierer aus seattle, auch der albumtitel macht was her. erklärt zumindest die konfusion und diskussion über den umstand, ob man nun das siebte oder bereits achte album eingespielt habe. die band, die zuletzt auf sub pop und ähnlich starken indipendern veröffentlicht hatte, hat sich nun mit kill rock stars zusammengetan. da passen passagen wie die auf "the needle's fine", einfachstes gedengel, ganz prima hin. die musikalie hat druck, dynamik und dramaturgie. beweist sie später. aufgenommen wurde in san francisco mit phil manley (trans am). die produktion ist sicherlich etwas heaviger als auf früheren werken, aber sie zeichnet sich durch eine fast lyrische herangehensweise aus, sie lockt und stösst zugleich ab. sänger und gitarrist chris martin, basserin lucy atkinson, gitarrist matthew reid-schwartz und drummer barrett wilke bieten eine wilde, wie auch eine in sich gefangene hatz auf. gedrosselt zur rechten zeit. kunst ist es zu tun. da passt es ebenso prima, wenn john cassavetes und gena rowlands das cover zieren. metal, protopunk, postrock, hier kreuzen sich viele wege. um sie nachzuzeichnen, bräuchte es handfesten musikjournalismus. können wir nicht bieten. wir bloggen nur so ein bißchen rum. können aber rausposauen, dass uns "7 (or 8)", am 02. juni erschienen, ganz prima mundet, vor allem sonntags mit dem ersten kaffee.

Mittwoch, Juni 10, 2015

ein (p)fund mp3 (502), teil 2

im april erschien auf hush records ein neuer release von einem burschen aus einer kleinen stadt nahe st. petersburg, er konzentrierte sich zunächst ganz auf computergesteuertes musikmachen, sprang aber bald aufs piano über, "be" heißt sein debüt: igor khabarov:


neuigkeiten von matinée recordings, zunächst ein ausschnitt aus dem demnächst erscheinenden 10-track album "meet me in the silence" der englischen band, die ihr debüt im juli vorlegen wird: seabirds:


und dann gilt es auf das neue projekt von amelia fletcher und rob pursey zu verweisen, die wir von talulah gosh oder heavenly oder tender trap oder oder kennen, hier treten sie mit ihrem erstling "red red skies" an (in kooperation mit elefant records): the catenary wires:


wir hatten den houstoner fünfer bereits in einer mp3-runde, hier nun mit einem neuen ausschnitt aus ihrem neuen album "citizens", das ende mai erschienen ist, kontroverspop oder so, lasst es Euch geschmackig sein: the wheel workers:


zum ende noch einmal etwas progressiver mit dieser truppe aus toulouse, die nicht nur ihren neuling "brain surgery", veröffentlicht anfang des jahres, vorstellen möchte, sondern zugleich auch ihr tourneeprogramm, die dates für hiesige gefilde hängen wir den beiden tracks einfach an: alfie ryner:


13/06 @ Freakshow Mini Fest, Würzbürg
14/06 @ Kafe Kult, München

ein (p)fund mp3 (502)

die lp "bring us some honest food" des argentinischen gitarristen und des in brooklyn beheimateten drummers erschien im april auf dancing wayang in einer 500er auflage, vielleicht ist noch eine abkömmlich, probierts: alan courtis & aaron moore:


experimentelle ein- bzw. ausdrücke gibt es via amish records und ihrer siebten ausführung der required wreckers serie, auf der sich der 1971 geborene amerikaner austoben kann, der 2003 sein erstes soloalbum veröffentlichte und nun "primordial forms": nick forté:


diese truppe aus brighton mag es weniger verklausuliert und legt dennoch mit "the artful execution of macho bimbo" ein album voller kluger gedanken vor, das ganze verpackt in postpunk/glamrock, ab 29. juni via bleeding heart recordings: clowwns:


auf ihre "crushed pleats ep" folgt nun "pillars and pyre", eine kooperation von boompa records und full time hobby, die band um christoper smith legt hier ein 3track vinyl vor, aus dem wir den titeltrack zitieren dürfen: dralms:


die vielköpfige truppe (julia tepper - violin & vocals; matthew meade - guitar & vocals; john stanesco - bass, clarinet & ewi; tlacael esparza - percussion, kyle olson - percussion; nate allen - bass) stammt aus brooklyn und legte am 02. juni mit "i see you. your eyes are red" ihre zweite langspielplatte auf goodnight records vor: friend roulette:

Dienstag, Juni 09, 2015

konzert: aldous harding, 07.06.15


da braute sich was zusammen! über den himmeln der bayerischen hauptstadt, geradwegs auch über dieser ehemaligen schreinerei, an der marsstraße gelegen und zwar im hinterhof versteckt, doch nahe lärmender nachbarschaft, stand der himmel in dunkel gehüllt, zogen die winde auf, als würde ein sommergewitter feinster provenienz ausgebrütet. und doch wagten die fleißigen konzertveranstalter von hauskonzerte.com den abend mit hanna claynails harding, besser bekannt als aldous harding, ins freie zu verlegen. handgeknüpftes teppichwerk bevölkerte den kargen steinboden, darauf alsbald niedergelassen einige dutzend neugierige, höchstpersönlich eingeladene menschen. die künstlerin selbst hatte sich botmäßig unters volk gemischt und zollte dem abend, zollte antò nio applaus für einen wagnis behafteten auftritt, den der junge, münchner sangeskollege absolvierte.


eine kurze pause später steht uns die neuseeländerin gegenüber. in ein kurzes, mit lustigen pferdchen bedrucktes sommerkleid gewandet, mit frisch gewaschenen, hoch gebundenen haaren, eine junge frau noch, der welt auf eine weise zugetan, wie man sie, wenn man knapp zwanzig jahre voraus ist, nur noch schemenhaft identifizieren kann. da sind diese offenherzigen und gleichzeitig beschlagenen gesten, da ist die vermeintlich schüchterne musikerin, deren ausdruck jedoch prägnant und ausdrucksstark staunen macht. da ist das stibitzen über den saiten ihrer akustischen gitarre, da ist dieser kehlige, selbstvergessene gesang. und da ist man selbst und da sind die eigenen vorstellungen, wie sie zurückgeworfen werden, wie sie zerschellen an der kunst einer charismatischen wie leichtfüssigen frau, die sich und vieles um sich herum nicht ganz so ernst zu nehmen und doch mit vielem im widerstreit zu stehen scheint. alsbald aber hält man nur noch den atem an, zwingt sich den tönen nach, die sich zwischen dem pfeifen der vögel, dem mal wispern und dann wieder rauschen des windes zu verlieren scheinen, die sich messen mit dem partygebrüll der konkurrenzveranstaltung einen hof weiter. druckvoll aber kann es harding auch und sie macht aus ihrem herzen keine mördergrube und verfängt sich in ihren liedern, verläuft sich in ihren phantasiewelten und kehrt erst wieder zurück, wenn die letzte note gefallen ist.


sie beginnt mit "stop your tears", dem ein leichtes meeresrauschen innewohnen zu scheint, ein wenig mondglanz, eine starre, unverrückbare sehnsucht. das picking ist poiniert, zart, sacht. die stimme breitet sich nur langsam, dafür umso eindringlicher aus. ein schatten von koloratur bereits. rau der zeilenbeginn, weich die enden. wo auf ihrem album ein märchenhafter soundreigen einbettet, tut es an diesem abend die natur nicht weniger gelungen. harding weiß um ihr minenspiel, um ihre eigenart, die gitarre zu umklammern, den kopf über den resonanzkörper legend, als spüre sie den tönen nach, als prüfe sie die qualität des vortrag, noch bevor er an die ohren seiner hörer brandet. 
"beast" zeigt sich belebter, flotter, es spielt mit den worten, auch wie es den klang der worte zu biegen weiß. ein neuer dialekt, der sich unter der liquiden melodie breit macht. wir streifen nachfolgend mit "titus groan" mervyn peakes "gormenghast trilogie", vorgetragen mit diesem weichen flattern in der stimme, gebettet in vollmundige, verheißungsvolle, warme harmonien. dass der track ausgerechnet "party" heißt, in welchem es um die trennung von einem lover geht, findet auch harding komisch, wenngleich bald klar wird, dass es hier um das bedauernswerte warten und bangen geht, ob und wann man sich treffen wird oder nicht mehr treffen mag. 
auch "swell does the skull" ist kein albumtrack des im letzten jahr veröffentlichten debütwerks der aus dem kleinen lyttelton stammenden sängerin. erst mit "hunter" zieht sie wieder bekanntes ins blickfeld und weiß zugleich um ihren "hit", wie sie den wunderbaren titel selbst nennt. er geht ihr so frisch von der hand, wie man es erwartet hatte. die einträgliche melodie breitet sich flink aus und fasst das rund, bewegt es gar ein wenig. der lichte gesang verstaubt unter der noch trockenen erde und wird doch same sein. es ist das drama, es ist nichts, was sich aufdrängt im vortrag von aldous. es ist die seelentreue, das verbindliche moment, das anhebt, anrührt. 
ein letztes lied, dann geht sie. geht mit einem lächeln über den lippen. doch das publikum möchte sie noch einmal wiedersehen. sie stöpselt die gitarre ab und ehrt eine ihrer vorbilder. "non, je ne regrette rien" schallt es durch den hof, energisch trägt sie das piaf-lied vor, ihre aussprache ist ausgezeichnet, das lied passt besser zu ihr, als man zunächst glauben wollte.
dass sich harding später nicht zu einer weiteren zugabe hinreissen ließ, begründet sie damit, dass sie genau wisse, dass man in der folge ein ums andere mehr von ihr hören wolle. außerdem wartete bereits eine zigarette auf sie, die ihre tourmanagerin bereits zwischen den fingern bereit hielt.


so musste wir uns mit einem viel zu kurzen, dafür umso intensiveren vortrag begnügen. ein schöner abend, wie er sich dann über münchen verlor, ohne auch von nur einem tropfen nass benetzt worden zu sein. so kann auch ein sonntagsglück aussehen. (danke an meine wundervolle begleitung.)
setlist: stop your tears / beast / titus groan / party / swell does the skull / hunter / the world is looking for you / encore: non, je ne regrette rien

Montag, Juni 08, 2015

neue töne (1539): laure briard


photo by dounia chemsseddoha

ich bin nicht dringend dem chanson verbunden, ausnahmen bestätigen hier die regel, aber die kunst von "révélation" spricht einfach für sich. das ist mehr als unverbindliches dahinschnulzen, und nein, darauf möchte ich das genre nicht herunterbrechen, aber in der gesamtheit trifft es mich unreflektiert oft genau so. auf dem toulouser label 2000records erschien der 10tracker von laure briard anfang märz und begeistert mich immer mehr. hier bin ich nicht in eine notlage geraten, garantiert nicht. die stimme, ja, die stimme ist aus reiner quelle und lieblich und sicher eine bank. aber da ist mehr. ein gespür, die behenden melodien in szene zu setzen, da sind arrangements, die den bossa nova streifen und dem pop seine leichtigkeit zurückgeben. da wird nicht auf süffiges gesetzt, sondern gern einmal innegehalten, dem moment tribut gezollt. da, in kürze poltert es und stampft auf, wie wenn es gilt sich zur wehr zu setzen. natürlich fehlt es auch hier nicht an diesen, typisch für den französischen pop, hymnischen gesängen, die gut in einen film passten, da die protagonistin am ende entgegen jeder vernunft obsiegt, der titeltrack sei beispielgebend. liebeslieder? naklar. die jegliche klage beinhalten. weise vorgetragen, in einer glocke aus vernunftbegabter instrumentierung. oder der artrockausflug? ein verschwitzter walzer? wo ist hier der haken? es gibt keinen. es passt und klingt einfach nur wunderbar. die musik scheint aus einem entlegenen jahrzehnt herüber zu wehen, sie streift und zieht fort und hinterlässt nur diese bleierne sehnsucht, die auf ewig haften bleiben wird.

Sonntag, Juni 07, 2015

neue töne (1538): seabuckthorn


mal liquide, aus der hand fliessende, über den saiten flink inspirierte nummer, dann wieder stolzes mäandern, stumpfes suchen, bleiern wie die zeit über den sorgsam produzierten tönen vergeht. die konzentration vibriert im klangraum. wie andy cartwright auf atmosphäre setzt. nicht, dass er den tönen nachhechelt, um mehr aus ihnen herauszuholen, als in ihnen steckte. es ist aber dieses bedachte setzen, das von einer liebe zu kunst und ihren einzelnen teilen zeugt. aber auch die klangöffnung gefällt ihm, so dass immer wieder einzelne komplexe im hall versöhnt werden. es fügen sich perkussive elemente unter, schellen, rasseln. sein aktuelles album "they haunted most thickly" (klick) zeigt sich so auch divers, gibt sich genreübergreifend die ehre, neigt sich dem psychfolk, dem ambienten, dem cinematoskopischen zu. neben der verehrung eines robbie basho, darf man ebenso erleben, wie der brite, in witney, oxfordshire lebende experimentelle zutaten wählt. süffig klingt sein vortrag an manchen ecken, an anderen sparsam bis auf die karge saitenakrobatik. langweilig wird es nie. unter dem moniker seabuckthorn, bewaffnet mit resonator und 12-string gitarre verziert er seine grundierung mit überraschungen wie mit gleichförmigem glanz.
die veröffentlichung ist für den 20. juni angesetzt und wird von bookmaker records vorangetrieben, auf lp (300) und digital.