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Mittwoch, Juni 29, 2011

neue töne (1004): alina simone

die intensität ist sofort wieder spürbar. der nachdruck, ein pendel, das nur nach einer seite ausschlägt. die stimme, das slawisch getränkte organ, bereit für große sprünge. meine vernachlässigung wird nicht nachgetragen. zum glück hat mich der gute th. auf das neue album von alina simone aufmerksam gemacht. denn ansonsten hätte ich mich noch viel später erst mit "make your own danger" beschäftigt, dem nachfolger zu "everyone is crying out to me, beware", das mit coversongs der sibirischen punksängerin yanka dyagileva gespickt war. nach "placelessness" ist das aktuelle album im eigentlichen sinne erst das zweite full length der in brooklyn lebenden ukrainerin. zu erwähnen sind, betrachtet man ihre discography, auf jeden fall die "prettier in the dark" ep aus 2005 sowie die "raw demos" überschriebene scheibe (erwähnt bei uns hier), die ebenfalls in diesem jahr erschien und unveröffentlichtes und rares aus den jahren 2002 bis 2008 versammelt. vor, aber auch während ihrer solokarriere arbeitete alina mit keith smith unter dem moniker the artificial sea und veröffentlichte ebenfalls langspieler (interview hier). im klienicum biografische notizen hier, frühe videos zu den neuen songs: klick.
alina simone entscheidet sich nicht. sie bewahrt die heimatliche seele und stellt sich genauso dem kampf des westens, um anerkennung, aufmerksamkeit, dem täglichen überleben. sie macht aus ihrem herzen keine mördergrube und ihr gesang sägt an allen vorurteilen. entscheidungen, die sie nicht selbst trägt, drängt sie anderen auf. eine frau, die am abhang tänzelt. der man alles abnimmt, den unbill, die freude. das neue album gleicht einem parforceritt. die andeutungen, die düsteren ahnungen, die beschwörungen. die musik ist im besten sinne eklektizistisch. stilverwandtes lehnt sich an den zuweilen rockigen auftritt. spitzfindiges neben unbelassenem, rauem. im freien raum ertönt alinas stimme, verlassen und nur begleitet von perkussiver singularität. nur die ruhe vor dem sturm. dunkle wolken, die sich in ein kakophonisches bad mit jazzzusatz ergeben. folktradition, die andauernd durchkreuzt wird, weil sie nicht ausreichend in der lage ist, diese wut, diese unzufriedenheit, diese beteuerungen zu tragen. singer- / songwritertum, um der seelenschwere ausdruck zu verleihen. chamber- bis hin zum doomfolk. so diverse zeigte sich alina simone bislang nicht. die streicherattacke in "glitterati", das mäandernde gitarrenkreisen in "gunshots", der laid back stomp von "day glow avenue", der banjoauftakt in "my love is a mountain", die trompeten von "you fade away", der stilisierte backgroundgesang in "just here to watch the show", das ziselierte rhythmisieren in "in the house of baba yaga" bis hin zur warmen flötenmelodie in "apocalyptic lullaby".
für eine abschließende bewertung wäre es zu früh. aber wer das cover betrachtet, wird ahnen können, in welcher tradition die mitdreißigerin steht. agitation ist das eine, alina geht es mittlerweile ein wenig subtiler an, kann aber auch nicht aus ihrer haut. mir gefällt diese gebrochenheit, die rastlosigkeit zwischen den welten. das ist ihr leben, dem sie raum und letztlich immer wieder neu eine stimme verleiht.
alina simone - beautiful machine (from: "make your own danger", 2011)
alina simone - dreaming of a blackout (from: "raw demos", 2011)

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