seiten

Samstag, Januar 26, 2013

neue töne (1234): petula


verrisse schreibe ich nicht. dafür ist mir die zeit zu schade. die will genutzt sein für das, was ich zu empfehlen habe. doch auch mein wankelmut wurde nur selten unter die lupe genommen. dieses beissen in die oberhaut, wenn die falte zwischen den zähnen hindurchflutscht, wenn der schmerz kurz anreisst und so schnell, wie er kam, auch wieder verschwindet. die erinnerung zaubert ein lächeln. wegen der absurdität, wegen des kurzen aufschreis, wegen der anderen lacher. so höre ich manchmal musik. als wenn mein hund nach mir schnappte. er tut dies mit freude. er will sich unterhalten. er will nähe. spielen. ein wenig hoffieren. aber auch ein wenig chef im ring sein. mich erobern. bezaubern. freund sein. treu sein. eine partnerschaft eingehen, sie bereichern und sie befruchten. nichts anderes tut musik. und gute wird hie und da auch ein wenig weh tun müssen. weil sie etwas in uns zum klingen bringt, was wir bewusst versteckten. weil sie neues terrain bereitet, auf das wir uns nicht trauen wollten. weil sie uns manchmal heimatlos macht. und weil sie gleichzeitig in der lage ist, uns wieder zurückzuführen.

wissenswertes über... petula... ist der moniker von sebastian cleemann. cleemann hatte vor „don’t forget me, petula! don’t forget everything, petula!“, dem album um das es hier in gewisser weise geht, bereits ein weiteres aufgenommen, zudem anderes gewerk wie splitscheibchen und internetreleases. cleemann ist berliner. er spielte bei kate mosh und sndmt. cleemann ist mitbegründer von sinnbus. abgehakt.

raumzerschneider. raumfüller. die helltönende e-gitarre, vollmundig im klang, und der gestochene gesang. gepaart zu einer festen einheit, die in der gegenseitigen ergänzung machtvoll aus den boxen drückt. was sich zunächst artifiziell geriert, einsprengsel unterschiedlichster natur, loops, diffizile perkussion, wird zu einer willentlichen popkomponente, die sich von einer ohrwurmtauglichen melodie unterminiert sieht. fragmentarisches beleben, unterkühltes abebben. wirkungen. treffer. cleemann gelingt, nicht zuletzt mit unterstützung seines aufnahme sideparts oliver stangl (clickclickdecker, missouri), ein album, bei dem immer der wahnwitz um die ecke lugt, das dich jedoch immer wieder einfängt, weil, die charme grinsende maske übergezogen, immer wieder eine attraktion gelingt. das drumming fegt die zweifel weg, die gitarre storniert die fragezeichen und die harmonien sind wurmstichig, wie sie das misstrauen bearbeiten. und wenn es hakt und klemmt und sich maßlos zu den seiten wendet, dann folgt garantiert ein einflüsterer. wegweiser. wir sprechen über eine griffige kunst, identifizierbar, der elenden zauberei enthoben. stück für stück nur der eigenen magie erlegen. ernsthaft. immer den blick auf ein ziel gerichtet. zweifel löschend. vertrauen schindend. zu sich. den mitstreitern. einsteigen lassen, mitnehmen wollen. den hörer. wer tagträumen nachhängen kann, wird auch petula erliegen können. einer musik, die widerparts zu launigen freunden macht. die aktuelle strömungen genauso aufzunehmen, wie sie sich der klassischen muster zu vergewissern weiß. highlights sind gewiss die gesangseinlagen, der mut zum strittigen, die lust am reisserischen. kunstgriffe. momente aufragender schönheit. hingeworfener kitsch, den es zu erkennen gilt: samples, titel. was dem vergessen übergeben ward, wurde hier auf einer ganz persönlichen eben herübergerettet.

der schmerz ist eine kunde. eine nachricht. sie dringt von außen ein. sie signalisiert einen zustand. einen uneindeutigen zustand, der der definition bedarf. 

petulas "don`t forget me, petula! don`t forget everything, petula!" erschien am 18.01.2013 auf dia records.

petula - marry me by diarecords

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen