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Freitag, Januar 29, 2010

neue töne (733): mob

in der aktuellen abendzeitung schreibt sich ein redakteur die wahrheiten von der seele hinsichtlich eines web 2.0, das auch musikern die türen weit öffnet, um ihre ergüsse publik zu machen. etwas spät dran, der bursche. viele jahre, wohlgemeint. längst haben die künstler und ihre agenturen begriffen, dass es nicht mehr langt, via plakat auf sich aufmerksam zu machen. oder mittels airplay im radio. oder zu hoffen, dass die platte nicht allzu lange passiv im laden verharren muss. mypsace, bandcamp, facebook und viele plattformen mehr wollen genutzt sein, die internetzines bedient, die blogs, die virtuellen musikblätter. der trend verstärkt sich zusehends. aggressiver im ansatz. und wie ich meine, gewinnbringend. so wartet eine band wie mob nicht ab, sondern zündet die raketen. die wiener bewerben sich freundlich, aber bestimmt. und wer möchte, dem schicken sie ein exemplar ihres albums "mich kriegt ihr nicht" ins haus. gegenleistung? eine rezension. und schon multipliziert sich der bandname, das label, die idee. gibt man nun also "mob" und "mich kriegt ihr nicht" in die suchmaschine ein, erhält man mehr als 100.000 ergebnisse. so schrieben bereits die kollegen von 'alles ist pop', 'indiestreber', 'alternativmusik', 'beautiful sounds', 'pretty paracetamol' und viele andere mehr über den bei problembär records untergekommenen vierer. und selten war die eintracht größer. einstimmig positiv das urteil über ein debutalbum, das sich am hochdeutschen schubbert, dem aber nicht der wiener schmäh abgeht, pop orientiert ist, ohne aber das kaffeehaus der heimat zu verraten, in "du bist gegangen" gibt es ein paar wendungen, die sind gar dem klassischen lied abgerungen, chansonesk vielleicht auch. doch die flotte variante beherrschen die brüder franke und ihre beiden kompagnons sas und prenner ebenfalls. mit "für uns" , "sterne" und dem opener und titeltrack "mich kriegt ihr nicht" haben sie hitverdächtiges an bord. die texte, vorgetragen vom zwischen grönemeyer (ohne halsweh, mit talent) und tatsächlich regener changierenden raphael sas, sind unpeinlich, offerieren einen wachen blick und manch schlichte wahrheit "... als wäre da nicht mehr als nur der horizon, der sich nicht bewegt, er ist nur immer gleich, wenn man stehen bleibt...". die musikalische untermalung ist prägnant, hat wiedererkennungswert und weiß mit einigen zauberhaften momenten zu begeistern, freie streicher im aufschwung ("was mit uns passiert"), der akustische, marschierende beginn von "zusammen weg von hier" oder die gequetscht enthusiastische trompeteneinlage in "was es war". nur mir persönlich ist das piano meist zu offensiv, es macht die kompositionen zuweilen glitschig, manchmal taucht es den harmoniereigen in beliebigkeit, vieles wird so vorhersehbar, was ohne not neugier auf überraschung hätte heißen können. denn: das kreieren großer momente hat diese crew nicht nötig. die stecken im detail, welchem man manchmal nur raum zum atmen hätte geben sollen. aber das ist jammern auf hohem niveau. mob zielen auf das sentiment und treffen das herz. dreizehn titel, die uns für österreich gewinnen, ohne dass die hamburger schule herbeizitiert werden müsste. originär sind sie, es braucht keine schablone. und die art, wie sie auf sich aufmerksam machen, ist eh viel zu charmant, als dass sie sich mit teutonischem vergleichen ließe. weiter so, mob!
mob - für uns

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