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Samstag, März 03, 2007

konzert: tinariwen, 01.03.07

dem publikum dieses konzerts hatte ich schon im vorhinein namen gegeben. die lehnten sich an bunte westen, vom letzten urlaub verbliebene plastikzöpfe und allerlei andere marginalien längst nicht vergessener sehnsüchte an. das durchschnittsalter der ca. 150 besucher des amperes betrug denn auch gut 40 jahre, womit wir von einer solventen truppe sprechen können, die sich durchaus gut ausgestattete afrikareisen leisten kann. dem eingangs aufgeführten kitsch waren sie allerdings abhold und so waren die einzigen exoten des abends tatsächlich nur tinariwen. in traditionelle kleidung gewandet durchschritten sie das publikum und wurden vorbildlich vom veranstalter eingeführt. wer den aktuellen rolling stone noch nicht gelesen hatte, erhielt wissenswerte informationen über leben und streben der tuareg, insbesondere über jenes der bandmitglieder. nach der namentlichen vorstellung der sieben männer und einen frau begann das erste set. die turbantücher über den mündern verrieten den gemütszustand und die vermutliche aufregung der truppe auf dem ersten konzert ihrer deutschlandtournee nicht. das verhaltene und distanzierte war dennoch nicht uncharmant, zumal man dem zauber der musik sofort erlag. die rhythmen fordernd, das gitarrenspiel energiegeladen, der gesang fremd und anziehend zugleich. die meisten lieder entstammten dabei dem neuen longplayer "amin iman" (water is life), der sich durch eine hevorragende produktion auszeichnet und dem verdacht, massenkompatibles, "weltmusikalisches" allerlei zu bieten, energisch entgegentritt. tinariwen verleugnet weder die eigenen wurzeln, hält an traditionellen gesängen, dem erdigen blues der wüste fest und verzichtet gänzlich auf formal ausgleichenden soundbrei, um womöglich die verkaufschancen zu erhöhen. nach einer kurzen pause, in der der veranstalter seine früheren ausführungen ergänzte, betraten tinariwen erneut die bühne, um ihr programm fortzusetzen. die anfängliche aufregung wich mehr und mehr, die band wurde mutiger, schleier und tücher fielen, münder, gesichter wurden sichtbar, der kontakt zum publikum wurde geknüpft und die intensität der darbietung erhöht. so gelang es den acht nach und nach besser, einen geradezu hypnotischen beat aufzubauen, in dessen sog man sich geborgen und wohlbehalten sah und den bildern der wüste, der weite, der einsamkeit verfiel. auch die zuseher, zuhörer wurden mutiger, klatschten mit, bewegten sich zunehmend ausgelassener und wurden sogar auf die enge bühne zum mittanzen eingeladen.
im mittelpunkt der band tinariwen steht ibrahim ag alhabib. der große, müde, fast depressiv erscheinende mann hält die fäden unauffällig zusammen, singt einen großteil der songs, für deren meiste texte er verantwortlich zeichnet, und steuert sein energetisches gitarrenspiel bei. mit wesentlich größeren entertainerqualitäten ist alhousseini abdoulahi ausgestattet, der die leadvocals dort übernimmt, wo sich ibrahim in den hintergrund zurückzieht. alhousseini kontaktiert das publikum und setzt verbindende akzente. so gibt es rapeinlagen, rockriffs und den aufbau einer tranceartigen stimmung. dass das fremde stehts oberhand behält, dafür sorgt u.a. mina wallet oumar mit ihrem gutturalen gurren oder rufen. neben den drei genannten agieren in der band alassane touhami, eyadou ag leche, said ag ayad, elaga ag hamid.
der truppe sei hiermit für einen wunderbaren abend gedankt. sie stand im übrigen noch nach dem konzert den besuchern rede und antwort.
randbemerkung: während der unterrichtung durch den veranstalter in der pause, rief eine dame aus dem publikum, dass sie keine studiosus reisen kaufen würde. solcherart mißverständnisse zeigen, dass unser weg nach afrika noch weit ist. die dame wurde von den anwesenden vorbildich in ihre schranken gewiesen.

2 Kommentare:

  1. Toller Bericht, sehr informativ!

    Tinariwen gefallen mir auch sehr gut, habe mir gerade das alte Album "Ammassakoul zugelegt.

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  2. das wäre durchaus "listbar" gewesen. kann aber noch mit den radio tisdas session dienen...

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