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Donnerstag, Dezember 07, 2006

Clayhill - Mine At Last (2006)


seit einigen tagen findet sich dieses album immer wieder in meinem player wieder. und setzt sich leider häufig dieser mechanische vorgang des cd- einlegens darin fort, dass man eine ebenso unwichtige handlung folgen lässt, sich mit banalitäten wie abwasch, zeitung lesen, katze begrüßen aufhält, gelingt es mir mit „mine at last“ nicht. denn es sendet unvermittelt signale, die mich zur konzentration zwingen. einen nicht unwesentlichen anteil daran hat die stimme von gavin clark, die, gänzlich auf (zumindest nichtalkoholische) gleitmittel verzichtend, meine synapsen hell erleuchten lässt, die allen schwarztönen das greinen beibringen kann. zeigt sie sich in den zögerlichen, verharrenden momenten fast harmlos, naiv und wohnt ihr dennoch ahnungsvoll tiefe und unfrieden inne, so greift sie nach der ihr zustehenden größe, wenn sie sich erhebt und sich stolz den weissagungen zuwendet, die ihrem organ entspringen. dass sie nicht entgleitet, entschwindet, sich verliert, verdankt sie ihren begleitern. die begrenzen und zugleich behüten, wie gute freunde eben, die wissen, was sie dem empfindsamsten und dennoch stärksten unter ihnen zumuten können und dürfen. sie unterscheiden, wo er führen muss und sich das instrumentarium um ihn scharen muss, an ihn lehnt, bestrebt ist, ohne aufzufallen, den roten faden zu spinnen und sie registrieren, sie erkennen, wo die direktion wechselt, das arrangement bettelt, fleht, ohne der stimme die prägnanz zu nehmen. allerorten stimmig dieses konzept. hier haben sich offensichtlich drei gefunden, die mehr als nur zueinander passen. neben gavin clark, der auch für einen teil der gitarrenarbeit verantwortlich zeichnet, gehören zu clayhill ali friend (bass, keyboard) und ted barnes (gitarre, keyboard).„mine at last“ klingt noch nach etlichen durchläufen unverbraucht. es ist spröde, aber nicht unnahbar, es ist sensibel, aber nicht gefühlsduselig, es ist in sich geschlossen, aber kein selbstläufer. die einzelnen titel des werkes stehen für sich und ergänzen sich jedoch einer um den anderen zu einem schlüssigen ganzen. dies ist schnell formuliert und steht gern im rausch der empfindung als zementierter kanon. aber es gilt.


1.) beard: beginnt verspielt, hat kinderliedcharakter, noch gänzlich unaufgeräumt und dennoch einführend, empfangend. ehrlich. steigert sich ländlich mittels dominanter gitarrenarbeit und betont schon richtung und aussicht. ****
2.) suffer not: psychedelisch wabernder sound, mäandernde sequenzen, bedacht eingesetzt, gewinnt der song doch format durch einen geschniegelten, blendenden refrain und eine treffsichere distinguierte rhythmik. ****
3.) one nerve: ein elementarer beginn mit flirrender snaredrum, kreisendem saitenanstrich, dem einsetzen des rauen gesangs, der sich unter den schweren worten malträtiert sieht:
i see what you’re doing here
i’m sick of the shit
from you and you’re kind
yeah i
i see what you’re doing here
you’re breaking me down
one nerve at a time
****
4.) hectors laugh: schwerfällig, fast müde bis pianospuren einen leisen weckruf wagen, clarks gesang versöhnlich stimmt. die wenigen anschläge in der bridge überwinden das mutlose. ein schöner song mit vorzeitigem ende. ***1/2
5.) hang on: braucht nicht viel, einen gefügigen, bedachten bass, einige tastenfolgen und eine stimme, die noch im lauten, flehenden moment das flüstern des unausweichlichen, des unaussprechlichen in sich trägt. sparsam und alles andere als arm. ****1/2
6.) halfway cross: bevor schmerz transfundiert, ein zwischengalopp, der vom hörer dankbar aufgenommen wird. entspannter bandsound, rasseln begleiten fast fröhlich, das keyboard erfindet ein tönern, dem alles folgt. ***1/2
7.) buy me a suit: wer auch immer das schlagwerk erzeugt, hat hier einen derart flachen beat gewählt, das er sich gezielt unter das breite gewand von stolzem gesang, einer sorglosen melodie und dem punktuellen einsatz von bläsern legen kann, ohne wegweisend, eindringlich sein zu müssen. ***
8.) mari sol: eine hammond, die guttural begleitert, sich wie eine zweitstimme zu clarks fügt. es kreiselt, vielleicht mehr ein schlingern, wie bezeichnet man es, wenn es sich in ovalen zügen vollführt? die geschichte zählt, die band betont, setzt mutig akzente, beweist das gesungene, unterstreicht. ****
9.) lying breed: die straffe saite eines basses, die so deutlich nach notwist klingt, dass man den gedanken an ein sample lange nicht verliert. clark singt so hell und klar, wie man es ihm dem verlauf nach nicht zutrauen durfte. bass, harmonium, gestrichenes fell, orientierte gitarre. toll. ****1/2
10.) fortress: auffällig, aggressiv. etwas unbestimmt zunächst, nachdem die bwegung gebrochen, aber wie enthoben auf eine stufe des versöhnlichen. niemand ziert sich. es darf andeutungen von streichern geben, ein scheppern, einen dichten sound, einen aufgeräumten sänger. ***1/2
11.) white of the eyes: jazziger versatz, der für atmosphäre sorgt, bebildert mit einem manischen bass, einem kirren beat, konterkarierendem gesang, hymnischem refrain. ****
12.) after the slaughter: manches glaubt man, würde nur von einem selbst erkannt, niemand anderes, der es wahrnehmen könnte. eine stille weise, die ein so feinsinniges zusammenspiel aufweist, wie man es sich tausendfach in wiederholung wünscht. ****
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After the slaughter
I head true north
To a land of beat out sun
Where trees grow tall
And blue vaults run
After the slaughter
I will break out
I will cross the flooded sane
I’ll forget the man
I am now
I will breathe clean air again
And when I get to where
I am going
I’ll follow tracks, tracks out through the grass
The corner fields will give me your name
And you’ll be mine
Mine at last.
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fast gänzlich unbekleidete arrangements, elemente auf sich zurückgeworfen, als würden sie nur hier ihrer bestimmung gerecht eingesetzt. aber. aber anderenorts gilt es existenzen zu sichern. deshalb wärmt man sich hier unter schmaler decke, dicht aneinander gerückt.

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